“Not about us without us!”

FasiaJansenStrBundesweite Selbstorganisationen von Menschen afrikanischer Herkunft und der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial bieten ihre Mitarbeit an Deutschlands erstem stadtweiten Erinnerungskonzept zur Kolonialgeschichte an. Aber Hamburgs Kulturausschuss lehnte ein Gremium zur konzeptionellen und verbindlichen Zusammenarbeit ab. Der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland erklären dazu: „Wir lehnen die Umsetzung eines einseitig erstellten Erinnerungskonzeptes ab. Es ist nicht hinnehmbar, dass weiße Perspektiven auf die geteilte Kolonialgeschichte noch immer privilegiert werden. Den Hamburger Senat und die Bürgerschaft fordern wir dazu auf, eine umfassende und gemeinsame Aufarbeitung des kolonialen Erbes zu ermöglichen.“

Auf Initiative des Arbeitskreises Hamburg Postkolonial und auf Einladung des Eine Welt Netzwerkes Hamburg kamen am 10. Dezember 2014 im Rathaus rund 40 Vertreter_innen von lokalen und bundesweiten Schwarzen und afrikanischen Verbänden und Vereinen, postkolonialen Initiativen, bildungspolitischen Einrichtungen, zuständigen Behörden und der Hamburgischen Bürgerschaft zu einem ersten Runden Tisch zusammen. Thema des Treffens war die umstrittene Stellungnahme des Senats zur Aufarbeitung des „kolonialen Erbes“ der Stadt. Die Organisationen der Black Community und der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial äußern Kritik am zeitlich, geografisch, stadträumlich und wissenschaftlich entschieden zu kurz greifenden Senatspapier.

Sie machen ihr Unverständnis darüber deutlich, dass sie als Betroffene von Kolonialismus und Rassismus in keiner Weise an der Erstellung des programmatischen Papiers beteiligt sind, für das sie selbst die wesentlichen Impulse gegeben haben. Der federführenden Kulturbehörde bieten die Expertinnen und Experten der migrantisch-diasporischen Verbände und Vereine die Mitarbeit in einer paritätisch besetzten, multiperspektivischen Fachkommission zur Erarbeitung eines gemeinsamen Erinnerungskonzepts an.

Vor dem Hintergrund dieses Kooperationsangebotes beantragte die LINKE in der Sitzung des Kulturausschusses der Bürgerschaft einen Tag später die Einrichtung eines mitspracheberechtigten Fachbeirats, der jedoch mit den Stimmen von SPD und CDU abgelehnt wurde. Der Kulturausschuss beschränkte sich darauf, dem Senat erneut eine nicht näher definierte Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure an der Umsetzung der Senatspläne zu empfehlen.

Hier die Pressemitteilung vom 8. Januar 2014 auf Englisch.

Mehr zum Thema:

Vorgangsablauf Hamburger Bürgerschaft
Aufarbeitung des “kolonialen Erbes” – Neustart in der Erinnerungskultur unter Einbeziehung der Partnerschaft mit Daressalam

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