(K)ein Bock auf Bismarck

steinbock-bismarkEin Steinbock balanciert seit Mai auf des Reichskanzlers Glatze.  Die Wiener Künstlergruppe Steinbrener/Dempf & Huber hat das Tier im Rahmen des Hamburger Architektursommers auf das 34 Meter hohe Denkmal im Alten Elbpark gesetzt. Der Steinkoloss neigt sich etwas und soll deshalb saniert werden – für 13 Millionen Euro. Eine inhaltliche Debatte über den Umgang mit diesem Denkmal angesichts der anstehenden Sanierung bleibt leider weitgehend aus, auch wenn der Bock einige Wochen auf Bismarcks Haupt steht und für etwas Schmunzeln sorgt. Es bleibt aber allenfalls bei einer harmlosen Verhohnepielung. Im Rahmen der städtischen Aufarbeitung des kolonialen Erbes läge es nahe, sich mit Bismarcks Rolle beim Ausbau des Deutschen Reiches zur Kolonialmacht zu beschäftigen. Die Künstlerin HMJokinen thematisierte diesen Aspekt in ihrer Rede am 1. Mai 2015: “Es war Bismarck, der 1884 zur ´Afrika-Konferenz` nach Berlin einlud. Der mächtige Hamburger Kolonialkaufmann Adolph Woermann war dort sein Berater.

Der Kontinent wurde wie ein Kuchen unter den Westmächten aufgeteilt, Afrikaner_innen waren nicht eingeladen. Der ´Scramble for Africa` hat bis heute negative Nachwirkungen. Hamburger Handelsherren verstanden es, sich ihren Bismarck zu formen. Das Denkmal-Komitee von 1906 und die Spenderliste lesen sich wie ein ´Who is who` der Hamburger Kolonialkaufleute.” Sie fragte auch, wie man mit dem kolonialen Bismarck umgehen, wie er in Form und Inhalt gebrochen werden könne.

Foto: Anke Schwarzer, “Capricorn Two” am Bismarck-Denkmal

 

Advertisements