Ein Gedächtnis der Stadt

gedaechtnis-der-stadt150Die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg greift das Thema Kolonialismus auf und bietet mittlerweile den Stadtplan Hamburg Postkolonial sowie verschiedene Sachbücher rund um das Thema an. Neu erschienen ist nun Band 1 der dreiteiligen Reihe “Ein Gedächtnis der Stadt”. Er gibt einen Überblick über die nach Frauen und Männern benannten Straßen, erläutert Biographien und beleuchtet die gesellschaftspolitischen Zusammenhänge der (Um-)Benennungen. Erstmals wird auch der Umgang Hamburgs mit belasteten Straßennamen aus der Kolonialgeschichte unter die Lupe genommen. Es geht um Dominikweg, O’Swaldkai, Schimmelmannallee, Wißmannstraße, Woermannstieg, Godeffroystraße und eine Vielzahl anderer Straßen und Plätze, die in Hamburg nach Kolonialakteuren benannt sind.

Kolonialismus funktioniere nur durch Rassismus, schreibt Ginnie Bekoe in ihrem Beitrag “Stadtbild (post?-)kolonial”. Hamburgs Straßen spiegelten diese Gedanken wider, wenn sie Namen derjenigen tragen, welche die menschenverachtenden Ideologien in die Welt getragen haben und maßgeblich daran beteiligt waren, sich auf eine Art und Weise zu bereichern, die heute undenkbar sein sollte.”Hamburgs Straßen zeigen mir, dass dieses Wissen noch unhinterfragt repräsentiert und präsent ist”, so das Beiratsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD).

Auch die Autorin Frauke Steinhäuser sieht in ihrem Beitrag “Straßennamen als Spiegel der Geschichte.Hamburg und seine Kolonialgeschichte” die Notwendigkeit, sich mit den Straßennamen auseinanderzusetzen: “Gerade wenn wir als Hamburgerinnen und Hamburger unsere behauptete Weltoffenheit einlösen wollen, ist es dringend nötig, das koloniale Erbe der Stadt – das sich unter anderem in den vorhandenen Straßennamen ausdrückt – intensiv zu erforschen und öffentlich zu diskutieren”. Dafür sei zugleich ein Perspektivwechsel erforderlich: Es müssten auch die Sichtweisen der Menschen einbezogen werden, die als Nachkommen der Kolonisierten in Hamburg leben und täglich mit dem Verdrängen und Vergessen der Kolonialgeschichte sowie mit dem Glorifizieren der Menschen konfrontiert sind, die ihre Vorfahren drangsaliert, ausgebeutet und ermordet haben, schreibt Steinhäuser.

 

 

 

 

 

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