We don´t contemporary!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHeute beginnt die neue Spielzeit auf Kampnagel mit WE DON’T CONTEMPORARY, einem postkolonialen Festival für Tanz, Theater und Musik, hauptsächlich mit Stücken afrikanischer Künstler_innen. In der kommenden Woche gibt es vom 1. bis zum 3. Oktober jeweils um 19 Uhr vor den Vorstellungen je einen  Vortrag über dekolonisierte Wissensproduktion, den postkolonialen Blick auf afrikanische Kunst und über „Afrofuturismus“. Der Titel spielt auf den Zwang an, den viele afrikanischer Kunstschaffende empfinden, wenn es um die Etikettierung ihrer Produktionen geht. Sie entwickeln auf der Basis ihrer Traditionen eine eigene Zeitgenossenschaft und setzen sich auch mit dem Begriff kritisch auseinander. “Denn sie erleben es als eine Art Gefängnis, immer zu fragen: Was ist traditionell, was ist zeitgenössisch? Es sind Künstler, die eine sehr persönliche Handschrift haben. Und sie haben ein Problem damit, als Künstler auf ihre Herkunft reduziert zu werden”, so die Co-Kuratorin Melanie Zimmermann in der taz.

Foto: Eric Wurtz (WE DONT CONTEMPORARY: Boyzie Cekwana / Nina Støttrup Larsen: BANANA REPUBLICS – HERE BE DRAGONS)

 

 

WE DON’T CONTEMPORARY

Postkoloniales Festival für Tanz, Theater und Diskurs
24.09. bis 03.10. auf Kampnagel

Kampnagel eröffnet die neue Spielzeit mit einem Festival, das insbesondere neue Stücke von Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen afrikanischen Ländern zeigt. So bringt beispielsweise das aus Tunesien stammende Choreografenduo Aïcha M’Barek und Hafiz Dhaou neben zwei eigenen Produktionen auch neue Arbeiten von jungen Choreografen aus Marokko und Tunesien mit. Aïcha M’Barek und Hafiz Dhaou waren zuletzt 2014 auf Kampnagel und zeigen nun die deutsche Erstaufführung ihrer aktuellen Tanzproduktion SACRÉ PRINTEMPS!, die weniger von Strawinskys Frühlingsopfer als vielmehr von ihren eigenen Erfahrungen mit der Bewegung des arabischen Frühlings inspiriert ist. Aus Marokko ist Bouchra Ouizguen zu Gast, deren Arbeiten OTTOF und CORBEAUX ebenfalls zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sein werden. Bouchra Ouizguen arbeitet mit einem großartigen Ensemble aus ehemaligen Nachtclubsängerinnen, sogenannten Aitas. Deren Stimmen und Körperbewusstsein kreieren eine so überwältigende Präsenz auf der Bühne, dass OTTOF, ein Stück, das sich vor allem mit den Vorurteilen gegenüber diesen Frauen auseinandersetzt, ein absolut einmaliges Theatererlebnis ist. Darüber hinaus gibt es ein Filmprogramm, eine Vortragsreihe, eine Rauminstallation der ghanaischen Künstlerin Zohra Opoku und Konzerte. Eine vollständige Programmübersicht des Festivals gibt es auf der Kampnagel Webseite hier.

Brett Bailey (Südafrika)

MACBETH

nach Verdi

Do 24.09. bis Sa 26.09. / 20:00

K6, 32/24/12 Euro (erm. 8 Euro)

Brett Bailey ist vom 24. bis 26.9. mit seiner Version von Verdis MACBETH auf Kampnagel. Er verlegt die Handlung ins postkoloniale Zentralafrika, macht den kriegsgebeutelten Kongo zum Schauplatz und Macbeth zum Milizenführer im Kampf um Macht und Bodenschätze. Entstanden ist aufwühlend aktuelles Musiktheater (arrangiert vom belgischen Komponisten Fabrizio Cassol) mit großartigen Bildern für ein Ensemble aus zehn südafrikanischen Sängern und Darstellern und das serbische No Borders Orchestra.

Ausführliche Infos hier

1556_Foto__c__Xavier_Saer__5_

 

 

 

 

 

 

Foto: Xavier Saer (Jessica Nupen: Romeo & Juliet / Rebellion & Johannesburg)

 

Aïcha M’Barek & Hafiz Dhaou / Compagnie Chatha (Tunesien)

SACRE PRINTEMPS!

Fr 25.09. und Sa 26.09. / 21:00

So 27.09. /20:30

K2,  18 Euro, (erm. 10 Euro)

Für ihr neues Stück SACRÉ PRINTEMPS! übersetzen Aïcha M’Barek und Hafiz Dhaou das politische Geschehen des Arabischen Frühlings in ihre spezifische Bewegungssprache u.a. mit Sonia M’Barek, einer der bekanntesten Sängerinnen des Landes.

Ausführliche Infos hier

Bouchra Ouizguen / Compganie O (Marokko)

OTTOF

Do 1. 10. bis Sa 3.10. / 20:00,

k2, 18 Euro (erm. 10 Euro)

Bouchra Ouizguen feiert seit einigen Jahren mit ihrem Ensemble aus fünf Aïtas, Nachtclubsängerinnen, die in Marokko als angebliche Prostituierte ebenso glorifiziert wie verachtet werden, weltweit Erfolge. OTOFF ist ein ungewöhnlicher Abend von purer, manifestierter Körperlichkeit, an den man sich noch lange erinnert.

Ausführliche Infos hier

VORTRAGSPROGRAMM

Jeweils 19Uhr, Eintritt frei, in engl. Sprache

Donnerstag, 01.10. / 19:00

GRADA KILOMBA: DECOLONIZING KNOWLEDGE

Die portugiesische Autorin, Theoretikerin und interdisziplinäre Künstlerin Grada Kilomba deckt in ihrer Lecture-Performance die Gewalt klassischer Wissensproduktion auf und fragt: Was wird als Wissen anerkannt? Wessen Wissen ist das? Wer darf es überhaupt produzieren? Kilomba berührt diese koloniale Wunde, indem sie einen hybriden Raum eröffnet, in dem die Grenzen zwischen akademischer und künstlerischer Sprache verschwimmen und die Strukturen von Wissen und Macht sich transformieren. Mit Hilfe von Texten, Bildender Kunst und performativen Erzählungen als Formen alternativer Wissensproduktion erkundet sie die Möglichkeit von dekolonialisiertem Wissen.

Freitag, 02.10. /  19:00

JEAN-LOUP AMSELLE: CONTEMPORARY AFRICAN ART: ART OF ORIGINES?

Der französische Anthropologe Jean-Loup Amselle untersucht in seiner Forschung moderne afrikanische Kunst aus dem Blickwinkel des Multikulturalismus und Postkolonialismus. In seinem Vortrag spricht er darüber, wie der postkoloniale Blick afrikanische Kunst allein auf ihre Herkunft reduziert und zieht Verbindungslinien zum Konzept des Primitivismus.

Samstag, 03.10. /  19:00

KAPWANI KIWANGA: AFROGALACTICA

Die kanadische Künstlerin Kapwani Kiwanga blickt als Anthropologin aus der Zukunft zurück auf die Gründung der Vereinigten Staaten von Afrika und die Entsendung von Afronauten in den Weltraum durch die afrikanische Weltraumbehörde. In ihrer Lecture-Performance AFROGALACTICA taucht sie in die Vergangenheit ein, um in den verlorenen Archiven der Pop-Kultur nach der Zukunft zu forsten und bringt mit einer Verzahnung von Wahrheit und Fiktion vorherrschende Narrative durcheinander. Ihre Mittel: Science-Fiction, Archive aller Art, Afrofuturismus und Antikolonialismus.

KAMPNAGEL KARTEN: 040 270 949 49, www.kampnagel.de

Advertisements