Werkstattgespräch

Unbenannt

Im MARKK findet am 9. Januar um 19 Uhr ein Werkstattgespäch zur Ausstellung „Der Krieg und die Grammatik” statt. Mit dabei: Bodhari Warsame, Anette Hoffmann und Gabriel Schimmeroth (Moderation). In der Ausstellung werden Tonaufnahmen mit Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs als historische Quellen hörbar gemacht. Einer dieser Gefangenen war Mohamed Nur. Der junge Intellektuelle aus Somalia war mit einem Völkerschauensemble nach Deutschland gereist und wurde während des Ersten Weltkriegs interniert. Im Kriegsgefangenenlager wurden phonographische Aufnahmen von ihm gemacht. 1917 wurde er Sprachassistent am Hamburger Institut für Kolonialsprachen, wo mit seiner Hilfe eine Grammatik des Somali entstand. Die Ausstellung im Zwischenraum nähert sich seinen Sprechtexten und Bildern als Spuren der kolonialen Wissensproduktion und seiner widersprüchlichen, oft rassistischen und exotisierenden visuellen Repräsentation in Deutschland.

Die Kuratorin Dr Anette Hoffmann ist Kulturwissenschaftlerin und Afrikanistin und forscht an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Sie arbeitet seit einigen Jahren zu historischen Tonaufnahmen als Quellen zur Kolonialgeschichte. Ihre Toninstallation Foreign Subjects (2019) war während der Bergen Assembly in Norwegen zu sehen, ihr Buch Ins Archiv hören. Historische Tonaufnahmen als Echo von Kolonialgeschichte erscheint im Frühjahr 2020 bei Spector Books.

Bodhari Warsame ist freier Wissenschaftler. Sein Schwerpunkt liegt auf der Globalisierung der somalischen Halbinsel und der Entstehung einer somalischen Diaspora. Er ist außerdem als Literaturübersetzer tätig und arbeitet an einem Buch über Mohamed Nur und dessen Aufenthalt in Deutschland.

Ein Projekt von MARKK in Motion und mit Unterstützung der Initiative für ethnologische Sammlungen der Kulturstiftung des Bundes.