Performing Back in Hamburg

Erinnerung ist keine Wellness-Oase, aber trotzdem eine Reise wert. Das schwere Erbe im Gepäck, besucht Simone Dede Ayivi am 9. und 10. Oktober im Lichthof-Theater in Hamburg das Gestern in den Städten von heute. Sie schreibt Postkarten von zu Hause in die Heimat und umgekehrt, um dem Vergessen gegenüberzutreten. Performing Back ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Kontinuität deutscher kolonialer Vergangenheit. Im Mittelpunkt der Performance steht die akribische Spurensuche im scheinbar unscheinbaren Stadtbild zwischen Autobahn und Schwänchenteich. Die Veranstaltung findet im Rahmen von 30 Jahre Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und in Kooperation mit dem AK Hamburg Postkolonial und der AG Queer Studies Uni Hamburg statt. Continue reading

Racial Profiling

Video-Interview mit Tahir Della, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (17.03.2015): “Zugang zum Recht – Racial Profiling”. Eine der größten Hürden für Schwarze Menschen und People of Colour sei das Problem, dass wir in Deutschland noch am Anfang der Debatte um Racial Profiling stehen.

Anlässlich des UN-Anti-Rassismus-Tages am 21. März weist das Deutsche Institut für Menschenrechte auf die Schwierigkeiten hin, auf die Betroffene in Deutschland stoßen, wenn sie sich rechtlich gegen diskriminierende Polizeikontrollen wehren wollen. Das Institut fordert erneut die Streichung des § 22 Absatz 1 a) Bundespolizeigesetz. Dazu erklärt Petra Follmar-Otto, Leiterin der Abteilung Menschenrechtspolitik Inland/Europa: “Die weite Ermächtigungsgrundlage in Paragraf 22 Absatz 1 a) Bundespolizeigesetz berechtigt die Polizei, ohne konkrete Verdachtsmomente jede Person zu kontrollieren. Zugleich gibt das Gesetz das Ziel vor, illegale Migration zu verhindern. Damit führt das Gesetz faktisch zu Kontrollen anhand äußerer Merkmale wie etwa der Hautfarbe. Das ist jedoch wegen des Verbots rassistischer Diskriminierung im Grundgesetz und internationalen Menschenrechtsverträgen unstreitig verboten. Continue reading

“Not about us without us!”

FasiaJansenStrBundesweite Selbstorganisationen von Menschen afrikanischer Herkunft und der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial bieten ihre Mitarbeit an Deutschlands erstem stadtweiten Erinnerungskonzept zur Kolonialgeschichte an. Aber Hamburgs Kulturausschuss lehnte ein Gremium zur konzeptionellen und verbindlichen Zusammenarbeit ab. Der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland erklären dazu: „Wir lehnen die Umsetzung eines einseitig erstellten Erinnerungskonzeptes ab. Es ist nicht hinnehmbar, dass weiße Perspektiven auf die geteilte Kolonialgeschichte noch immer privilegiert werden. Den Hamburger Senat und die Bürgerschaft fordern wir dazu auf, eine umfassende und gemeinsame Aufarbeitung des kolonialen Erbes zu ermöglichen.“

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Louis Henri Seukwa über das Senatskonzept “Aufarbeitung des Kolonialen Erbes”

Hamburg will seine Kolonialgeschichte aufarbeiten. Die Perspektive der Leidtragenden werde aber ausgeblendet – beschämend, sagt Prof. Dr. Louis Henri Seukwa im taz-Interview vom 8.10.2014: „Die Sichtweise der Ewiggestrigen“. Der Professor für Erziehungswissenschaften an der Fakultät für Wirtschaft und Soziales der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg sagt: “Zuerst wissen wir alle, dass die Geschichte immer abhängig von der Historiografie ist – also von der Art, Geschichte zu schreiben. Je nachdem, welche Fakten, Ereignisse und Zeitskalen ich auswähle, komme ich zu einem anderen Ergebnis. Was das Thema Kolonialismus angeht, erfordert seine seriöse wissenschaftliche Aufarbeitung den Einbezug mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen wie Literatur, Religion, Kunst, Politik, Soziologie, Erziehungswissenschaft, Linguistik.” Weitere Medienberichte zum Senatskonzept “Aufarbeitung des Kolonialen Erbes” sind hier zu finden.

Medienberichte zum Senatskonzept

1308buch-zeitung 003Die Früchte jahrelanger Debatten – so titelte die tageszeitung (taz) am 18. Juli 2014 ihren Beitrag über das neue Senatskonzept zur Aufarbeitung von Hamburgs Kolonialgeschichte. Aber ausgerechnet die Perspektive der Leidtragenden werde ausgeblendet, beklagten Verbände, schreibt die taz.  Wenige Tage zuvor, am 12. Juli 2014 titelte das Hamburger Abendblatt: “Senat will koloniales Erbe aufarbeiten – Afrikaner bleiben bislang außen vor”.  Anbei weitere Pressereaktionen zum  Senatskonzept “Aufarbeitung des Kolonialen Erbes in Hamburg”.

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Wrong Start in Memory Cultures

Transparente05Independent organisations of Black people and people of Colour as well as
postcolonial NGOs protest against their exclusion from the concept “Hamburg’s
colonial legacy”, set up by the city government. On July 8th Hamburg’s Senate introduced the outlines of a planned memory culture concept to the City Parliament. This is the first city-wide concept in Germany for coming to terms with the colonial past.  The organisations of Black people and the African associations in Hamburg placed emphasis on the fact that they were the ones to initiate that very idea, and in principle they now welcome the plan. However, they explicitly protest against the fact that they have been excluded from the concept development. Furthermore, no efforts seem to have been made to allow a future participation of the descendants of the colonized and of the critical history initiatives. Continue reading

Fehlstart

Transparente05

Protest gegen das Schimmelmann-Denkmal 2007 (Foto:HMJokinen)

Mehrere Selbstorganisationen Schwarzer und afrikanischer Menschen sowie postkoloniale Initiativen protestieren in einer Presseerklärung [pdf] gegen ihren Ausschluss bei der Erstellung des Senatskonzepts [pdf] zur Aufarbeitung von Hamburgs „kolonialem Erbe“. Der Hamburger Senat hatte am 8. Juli 2014 in seiner Stellungnahme an die Bürgerschaft ein Erinnerungskonzept mit dem Titel “Neustart in der Erinnerungskultur” vorgestellt. Grundsätzlich begrüßen die Verbände Schwarzer und afrikanischer Menschen in Deutschland sowie Hamburgs postkoloniale Initiativen dieses bundesweit erste Konzept zur Aufarbeitung der kolonialen Stadtgeschichte, das sie selbst initiiert und seit Jahren eingefordert haben. Zugleich kritisieren sie den Ausschluss ihrer Vertreter_innen aus der Entwicklung dieses Konzepts, das entsprechend wenig Raum für die zukünftige Beteiligung der Nachfahren kolonisierter Menschen und kritischer Geschichtsinitiativen zulasse. Continue reading