Feature über Hamburgs Umgang mit dem Kolonialerbe

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Am 25.3.2016 lief im Forum auf NDR Info das Radiofeature “Sturz der Helden? Vom Umgang mit der deutschen Kolonialgeschichte”. Auf NDR Info kann man sich das Feature anhören: Audio. Der Journalist Reiner Scholz hat in seinem halbstündigen Feature zahlreiche Stimmen von Wissenschaftler_innen, Künstler_innen und Bildungsaktivist_innen eingefangen, darunter Andreas Schneider vom Arbeitskreis Hamburg Postkolonial, die Künstlerin Hanni Jokinen, der Leiter der Forschungsstelle “Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung” Prof. Dr. Jürgen Zimmerer sowie Christian Kopp vom Verein Berlin Postkolonial und der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Louis Henri Seukwa. Foto: Anke Schwarzer | Deutsch-Ostafrika-Kriegerdenkmal in Hamburg (sog. “Askari-Relief”)

Lettow-Vorbecks Entmystifizierung

cover-Varendorff_Lettow-VorbeckDer Historiker und Buchautor Uwe Schulte-Varendorff spricht am 24. März 2015 um 19.30 Uhr in der Galerie Morgenland über „Paul von Lettow-Vorbeck: Entmystifizierung einer ´Lichtgestalt` der deutschen Militär- und Kolonialgeschichte”. Den General umgibt bis heute der Mythos des unbesiegten, ritterlich kämpfenden Kolonialgenerals, der einer gewaltigen Übermacht trotzte und die ehemalige Kolonie Deutsch-Ostafrika erfolgreich verteidigte. Die Bundeswehr benannte nach ihm Kasernen und in deutschen Städten tragen Straßen noch immer seinen Namen. Doch seine Beteiligung am Völkermord an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika und seine brutale und skrupellose Kriegsführung während des Ersten Weltkriegs in Deutsch-Ostafrika werden dabei ebenso ausgeblendet wie die rücksichtslose Niederschlagung der Hamburger Hungerunruhen 1919 und seine Beteiligung am reaktionären Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920. Später unterstützte er die Nationalsozialisten, diente dem „Führer“ als begeisterter Kolonialpropagandist und hielt bis zu seinem Lebensende an seinem verkrusteten Geschichts- und Weltbild fest.

Senatskonzept “Aufarbeitung des kolonialen Erbes” ist fertig

Der Senat hat am 8. Juli 2014 die Entwicklung eines wissenschaftlich ausgearbeiteten Erinnerungskonzeptes zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg beschlossen. Dieser “Neustart in der Erinnerungskultur” bezieht die Städtepartnerschaft mit Dar es Salaam  und das NS-Kasernenensemble in Jenfeld ein. Das Konzept beantworte damit ein Ersuchen der Bürgerschaft vom Juni 2013. Das Parlament hat über das Vorgehen und die Pläne des Senats allerdings nie debattiert. Das bemängelte insbesondere Norbert Hackbusch, kulturpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft: “Der Senat war aufgefordert, bis Ende 2013 über erste Ergebnisse zu berichten. Das hat er versäumt und verabschiedet stattdessen jetzt ohne weitere Diskussionen ein Konzept. Das ist kein guter Stil!“ Man begrüße das Konzept zur Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Hamburgs, wundere sich aber darüber, dass der Senat mit keinem Wort die Beteiligung zivilgesellschaftlicher AkteurInnen bei der Umsetzung des Konzepts erwähne. Hierzu habe die Bürgerschaft aber einen klaren Auftrag erteilt. „Ich finde es vollkommen unverständlich, dass hier ein postkoloniales Erinnerungskonzept vorgestellt wird, ohne die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger mit afrikanischer Einwanderungsgeschichte zu erwähnen“, kritisiert Hackbusch. „Hat der Senat vergessen, dass überhaupt erst die jahrelange Arbeit etwa der ,Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland‘ oder des ,Arbeitskreis Postkolonial‘ den Anstoß für die Aufarbeitung dieses Kapitels Hamburger Geschichte gegeben haben?“

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Erinnern statt übersehen

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Fahrräder parken vor dem Eingang, Studenten der Bundeswehr gehen unter dem Konterfei eines Kolonialverbrechers ein und aus: Sie wohnen im Trotha-Haus, einem alten Kasernengebäude, benannt nach dem Generalleutnant der deutschen Kolonialarmee, der vor 110 Jahren die Vernichtung der Herero und Nama in Namibia, der damaligen Kolonie “Deutsch-Südwest” befahl. Das Studentenheim der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr liegt auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne im Hamburger Bezirk Wandsbek. Hier soll das Stadtquartier Jenfelder Au entstehen. Aber sollen zwischen Spielplatz und Grünanlage Kolonialverbrecher geehrt werden?
Artikel von Anke Schwarzer auf Zeit Online vom 16. April 2014 Continue reading

Uhuru heißt Freiheit

Uhuru heißt Freiheit – Performance 25.8.2013. The performance in the former Lettow-Vorbeck-Barracks is reminiscent of the African resistance and remembers the victims of German colonialism. Die Performance auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg-Jenfeld erinnert an den afrikanischen Widerstand und gedenkt der Opfer des deutschen Kolonialismus. With/Mit: Israel Kaunatjike, Zaida Horstmann, Christian Kopp

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Decolonize!

1308Am Wochenende 24. und 25. August stehen mehrere Veranstaltungen zum Thema “Decolonize Hamburg! – Perspektivwechsel in der Erinnerungspolitik” auf dem Programm. Das Eine Welt Netzwerk Hamburg, der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial und das Austellungsteam von “freedom roads!” laden zu einem Vernetzungstreffen, zu einer Podiumsdiskussion und zu einer Performance ein.  Alle Veranstaltungen sind mit freiem Eintritt!

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Koloniale Militaria im Jenfelder Au

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IBA-Referenzprojekt – Ausstellungseröffnung 22. April 2013: Im Süden des Bezirks Wandsbek entsteht in den nächsten Jahren das neue Stadtquartier Jenfelder Au – ein Modellstadtteil mit rund 770 Wohneinheiten auf dem Areal der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne. Dort soll sich, so die Stadt Hamburg, “ganzheitliche Stadtentwicklung mit innovativer Abwasserentsorgung sowie hoher Gestaltungs-, Wohn- und Aufenthaltsqualität” verbinden. Auf dem Gelände stehen Kolonialdenkmäler aus der Zeit des Nationalsozialismus. Außerdem ehrt Fassadenschmuck mehrere Kolonialherren wie etwa den Massenmörder Lothar von Trotha, der den Befehl zur Vernichtung der Herero in der Kolonie “Deutsch-Südwest” gab.

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