»Das hat mich sehr erschüttert«

jephtaInterview mit Jephta Nguherimo über den Völkermord an den Herero und Nama und koloniale Geschmacklosigkeiten in Hamburg: Der Aktivist und Forscher lebt in Washington, D.C. und ist Mitbegründer des Ovaherero/Mbanderu and Nama Genocide Institute (ONGI) in den USA. Er beteiligte sich an der Organisation der ersten transnationalen Konferenz zum deutschen Völkermord an den Ovaherero und Nama mit dem Titel »Restorative Justice after Genocide«, die Mitte Oktober 2016 in Berlin stattfand. Mehr als 50 Vertreter der Ovaherero und Nama aus Namibia, den USA, Deutschland, Kanada und Großbritannien sowie etwa 100 weitere Teilnehmer beschäftigten sich mit der aktuellen Auseinandersetzung um Entschuldigung und Entschädigung. Begleitet wurde der Kongress von Protesten, darunter ein Marsch zum Berliner Schloss samt Humboldt-Forum, dem Ort der ehemaligen Residenz des für den Völkermord von 1904 bis 1908 verantwortlichen Kaisers Wilhelm II. (Foto: privat) Continue reading

Herero-genocide without apology and compensation?

jephta111 yeamurangirs ago, the German colonial army ordered the extermination of the Herero people in what was then “German South-West Africa” – a colony of the German Empire. During summer this year, President of the Bundestag Norbert Lammert for the first time called the massacres “genocide”. The Federal Government now also talks about “genocide” in this context, albeit somewhat reluctantly. The descendants of the victims expect an official apology from the German government, their immediate inclusion in the German-Namibian reconciliation talks and that all human remains taken by Germany be returned. On the occasion of the international Colonial Reparation Day on 12 October, 5pm, Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V. hosts a talk with Kavemuii Murangi (re.) and Jefta Uaravaera Nguherimo (li.) (OvaHerero/ Mbanderu and Nama Genocides Institute, ONGI), and Jürgen Zimmerer (University of Hamburg). They will discuss the genocide, the struggles for recognition and reparation, and current developments in Germany and Namibia. Continue reading

Mehr als ein Wort

P1130228Vor 100 Jahren hörte die Kolonie Deutsch-Südwestafrika auf zu existieren, die Auseinandersetzung mit den Folgen fängt erst an. Am 9. Juli 1915 kapitulierte die kaiserliche Schutztruppe vor den Soldaten unter General Luis Botha aus der Südafrikanischen Union. Diese hatte als Mitglied des britischen Empire dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Das Gebiet – ungefähr anderthalbmal so groß wie das deutsche Kaiserreich – wechselte den Besatzer. 1919 übertrug der Friedensvertrag von Versailles die deutsche Siedlungskolonie an die südafrikanische Verwaltung. Erst 1990 erlangte Namibia die Unabhängigkeit. Anlässlich des Jahrestags sind über 150 Vertreter aus Politik und Wissenschaft, Kirchen, Kultur und Verbänden mit dem Appell »Völkermord ist Völkermord!« an die Öffentlichkeit getreten. Unter ihnen befinden sich zahlreiche Wissenschaftler, die ehemalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), der erste Botschafter der DDR in Namibia, Hans-Georg Schleicher, der SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby sowie der Vorsitzende des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, Moctar Kamara. Continue reading

Gedenken mit QR-Code

Vor 100 Jahren verlor das Kaiserreich die Kolonie Deutsch-Südwestafrika, Ort des Herero-Genozids. In Hamburg wird nirgends der Opfer gedacht, obwohl man Grund dazu hätte. Mehr dazu im Artikel von Anke Schwarzer auf Zeit Online vom 8. Juli 2015. Der Hamburger Baakenhafen ist historisches Gelände. Das sollte man nicht glauben, begeht man heute das karge Gewerbegebiet gegenüber der teuren Hafencity. Wohnungen sollen hier jetzt gebaut werden. Anfang des letzten Jahrhunderts aber legten in dem Hafenbecken die Dampfschiffe der Woermann-Linie Richtung Deutsch-Südwestafrika ab. An Bord: Kaiserliche Schutztruppen, die in der Kolonie den Aufstand der Herero und Nama niederschlagen sollten. Es wurde ein Vernichtungskrieg.

Continue reading

Interview mit Israel Kaunatijke

israelAuf Deutschlandradio Kultur spricht Israel Kaunatijke über die Verbrechen an den Herero im damaligen “Deutsch-Südwestafrika”. Im Interview erzählt der Herero von seinen beiden deutschen Großvätern, seinen namibischen Großmüttern und seiner Kindheit in der Zeit der Apartheid. Mit 17 Jahren verlässt er Namibia und lässt sich in Ägypten für den Kampf gegen das Apartheidregime ausbilden. Wir erfahren, wie Israel Kaunatijke nach Berlin gelangt ist, wo er seit vielen Jahrzehnten lebt, und wie er den Rassismus in Deutschland wahrnimmt. 2013 hat er übrigens in Hamburg an der Performance Uhuru heißt Freiheit auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne mitgewirkt. Dort steht ein “Trotha-Haus”, benannt nach dem Generalleutnant der deutschen Kolonialarmee, der vor über 110 Jahren die Vernichtung der Herero und Nama befahl. Heute dient es – ungeheuerlicherweise – als Studentenheim der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr.

 

Uhuru heißt Freiheit

Uhuru heißt Freiheit – Performance 25.8.2013. The performance in the former Lettow-Vorbeck-Barracks is reminiscent of the African resistance and remembers the victims of German colonialism. Die Performance auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg-Jenfeld erinnert an den afrikanischen Widerstand und gedenkt der Opfer des deutschen Kolonialismus. With/Mit: Israel Kaunatjike, Zaida Horstmann, Christian Kopp

Continue reading