Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân

IMG_6814Gedenken heißt, bei den Opfern innezuhalten, ihnen Namen, Gesicht und Geschichte zurückzugeben, sie als Subjekte und Individuen in den Blick zu nehmen, sich an ihre Seite und die der Angehörigen und Überlebenden zu stellen. Im Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân lädt die Initiative zum Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân auch dieses Jahr zu einer Kundgebung in der Halskestraße 72 am Sonntag, den 27. August 2017 um 16 Uhr ein. Die beiden jungen Männer kamen im Frühjahr 1980 nach ihrer Flucht aus Vietnam nach Hamburg und wurden in der Halskestraße 72 untergebracht. Am 22. August 1980 fand auf die Unterkunft ein Brandanschlag statt, den beide nicht überlebten. Die Täter waren im bundesweit agierenden Nazinetzwerk „Deutsche Aktionsgruppen“ organisiert. Dies war der erste dokumentierte rechtsterroristische Anschlag nach der Nachkriegszeit und nicht der letzte, wie Rostock-Lichtenhagen, Mölln oder die Morde des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) zeigen. Continue reading

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Der Kuaför aus der Keupstraße

Opfer des NSU-Terrors kommen in Hamburg zusammen: Am Sonntag, den 21. Februar 2016 um 11 Uhr läuft die Filmpremiere von „Der Kuaför aus der Keupstraße“ im Zeise Kino. Im Anschluss an den Film werden der Filmemacher Andreas Maus, Charlotte Schwalb, Mitglied der Initiative „Keupstraße ist überall“, Christiane Schneider, Vizepräsidentin der Hamburger Bürgerschaft, sowie Ibrahim Arslan, Überlebender des rassistischen Brandanschlags von Mölln, mit dem Publikum diskutieren.  Continue reading

Denken was Tomorrow

Dan Thy„Und später hat sie gemerkt, dass diese Menschen durch Napalm zu Kohle geworden sind.“ Im Rahmen der Ausstellung EXIL präsentiert der freie Schauspieler und Regisseur Dan Thy Nguyen eine dramatisch-drastische Performance. Ende der Siebziger kommen die ersten Geflüchteten aus Vietnam in die Bundesrepublik. Als Boat People trieben sie auf dem Meer, in der Hoffnung gerettet zu werden. Die Familie von Dan Thy Nguyen gehört ebenfalls zu diesen Menschen. 35 Jahre später treiben Geflüchtete auf Booten im Mittelmeer und eine ganze Gesellschaft scheint in dieser Situation hilflos zu sein. In dieser Sprechperformance geht es um die persönliche Geschichte der Eltern des Künstlers, ihre Kriegserfahrungen und Flucht, aber auch um die erste Zeit in Deutschland, den Aufbau eines Lebens und Rassismus. Samstag, 23. Januar 2016 um 18.30 Uhr im Völkerkundemuseum Hamburg, Rothenbaumchaussee 64. Eintritt: VVK bis zum 22.01. € 10 | erm. € 7, AK am 23.01. € 12 | erm. € 10 (Foto: Dan Thy Nguyen)

„Ich bin total deutsch“

marie-nejar-540x304Die Hamburgerin Marie Nejar überlebte den Rassenwahn der Nazis auf St. Pauli. Im Interview auf Zeit Online “Alle sehen in mir immer das Exotische, nicht das Deutsche” (20.3.2015) erzählt sie, wie sie das schaffte und warum sie nach dem Krieg einen französischen Pass bekam. Marie Nejar erlebte Ausgrenzung und Applaus, Ablehnung und Rampenlicht. Auch heute noch muss sie sich mit schlagfertigen Antworten vor demütigenden Sprüchen schützen. In den Fünfziger-Jahren stand sie als „Leila Negra“ mit Peter Alexander und anderen Stars auf der Bühne. Mit 27 Jahren lernte sie in Rissen Krankenschwester und arbeitete bis zur Rente in verschiedenen Krankenhäusern, zuletzt im Universitätskrankenhaus Eppendorf. Sie lebt heute in Eimsbüttel, unweit entfernt von jenem Stadtteil, in dem sie während des Nationalsozialismus aufwuchs. Ihre Familiengeschichte ist verwoben mit rassistischer Ausgrenzung und Gewalt.

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Racial Profiling

Video-Interview mit Tahir Della, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (17.03.2015): “Zugang zum Recht – Racial Profiling”. Eine der größten Hürden für Schwarze Menschen und People of Colour sei das Problem, dass wir in Deutschland noch am Anfang der Debatte um Racial Profiling stehen.

Anlässlich des UN-Anti-Rassismus-Tages am 21. März weist das Deutsche Institut für Menschenrechte auf die Schwierigkeiten hin, auf die Betroffene in Deutschland stoßen, wenn sie sich rechtlich gegen diskriminierende Polizeikontrollen wehren wollen. Das Institut fordert erneut die Streichung des § 22 Absatz 1 a) Bundespolizeigesetz. Dazu erklärt Petra Follmar-Otto, Leiterin der Abteilung Menschenrechtspolitik Inland/Europa: “Die weite Ermächtigungsgrundlage in Paragraf 22 Absatz 1 a) Bundespolizeigesetz berechtigt die Polizei, ohne konkrete Verdachtsmomente jede Person zu kontrollieren. Zugleich gibt das Gesetz das Ziel vor, illegale Migration zu verhindern. Damit führt das Gesetz faktisch zu Kontrollen anhand äußerer Merkmale wie etwa der Hautfarbe. Das ist jedoch wegen des Verbots rassistischer Diskriminierung im Grundgesetz und internationalen Menschenrechtsverträgen unstreitig verboten. Continue reading

Seminar Frantz Fanon

800px-FrantzfanonpjwproductionsDie Politologin Tania Mancheno, Doktorandin an der Universität Hamburg, führt am Samstag, den 21. Februar von 11 bis 16 Uhr in das politisch-philosophische Denken Frantz Fanons ein, dem Kämpfer gegen den Kolonialismus. Das Seminar der Rosa Luxemburg Stiftung ist offen für alle Interessierte, kostet 5 Euro und findet im Centro Sociale in der Sternstraße 2 statt. Frantz Fanons dekoloniales Denken hilft, das Phänomen des Rassismus aus einer geschichtlichen und philosophischen Perspektive zu verstehen. Dieser Einblick erlaubt nicht nur ethische, sondern auch analytische Argumente gegen den Rassismus zu formulieren. Neben seiner Biographie werden gewählte Auszüge aus seinen bekanntesten Büchern Schwarze Haut, weiße Masken (1985) und Die Verdammten dieser Erde (1966) als Grundlage für diese Einführung dienen. Anmeldung und weitere Informationen gibt es bei der Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg. (Foto: CC-BY-SA-3.0 | Pacha J. Willka)

10. Todestag von Laye Condé

Anku00FCndigung_Gedenkaktion_2015_Laye Condu00E9Am 7. Januar 2005 starb Laye Condé an den Folgen der zwangsweisen Vergabe von Brechmitteln im Bremer Polizeirevier in der Vahr. Verurteilt wurde für diese Tat nie jemand. Für die jahrelange Bremer Praxis der Brechmittelfolter sind viele verantwortlich: die Ärzt_innen und Polizist_innen, die diese Brechmitteleinsätze durchgeführt haben, die Bremer Justiz, die darin ein legales Beweissicherungsmittel sah und die Politik, die sich mit einer harten Linie profilieren wollte. Wie konnte diese Tötung durch staatliche Institutionen überhaupt geschehen? Wie konnte in Bremen über 13 Jahre lang und über 1000 Mal ein Beweissicherungsverfahren nahezu alltäglich angewandt werden, über das der Europäische Menschenrechtsgerichtshof schließlich 2006 urteilte, es verstoße gegen das Folterverbot? Wie konnten die zahlreichen Hinweise, dass es sich um ein stark gesundheitsgefährdendes Verfahren handelt, so beharrlich ignoriert und bestritten werden? Wieso wurden auch nach 2001, als in Hamburg Achidi John durch Brechmittel getötet worden war, weiter gewaltsam Brechmittel verabreicht?
Staatliches Handeln hat Laye Condé um sein fundamentales Recht zu leben gebracht. Damit diese Tatsache nicht in Vergessenheit gerät, setzt sich die Initiative Laye Condé in Bremen für ein sichtbares Zeichen in der Stadt ein: einen Gedenkort für Laye Condé. Außerdem veranstaltet sie am Mittwoch, den 7. Januar um 17.30 Uhr gegenüber der Kunsthalle Bremen eine Gedenkaktion zum 10. Todestag von Laye Condé.