»Das hat mich sehr erschüttert«

jephtaInterview mit Jephta Nguherimo über den Völkermord an den Herero und Nama und koloniale Geschmacklosigkeiten in Hamburg: Der Aktivist und Forscher lebt in Washington, D.C. und ist Mitbegründer des Ovaherero/Mbanderu and Nama Genocide Institute (ONGI) in den USA. Er beteiligte sich an der Organisation der ersten transnationalen Konferenz zum deutschen Völkermord an den Ovaherero und Nama mit dem Titel »Restorative Justice after Genocide«, die Mitte Oktober 2016 in Berlin stattfand. Mehr als 50 Vertreter der Ovaherero und Nama aus Namibia, den USA, Deutschland, Kanada und Großbritannien sowie etwa 100 weitere Teilnehmer beschäftigten sich mit der aktuellen Auseinandersetzung um Entschuldigung und Entschädigung. Begleitet wurde der Kongress von Protesten, darunter ein Marsch zum Berliner Schloss samt Humboldt-Forum, dem Ort der ehemaligen Residenz des für den Völkermord von 1904 bis 1908 verantwortlichen Kaisers Wilhelm II. (Foto: privat) Continue reading

Mehr als ein Wort

P1130228Vor 100 Jahren hörte die Kolonie Deutsch-Südwestafrika auf zu existieren, die Auseinandersetzung mit den Folgen fängt erst an. Am 9. Juli 1915 kapitulierte die kaiserliche Schutztruppe vor den Soldaten unter General Luis Botha aus der Südafrikanischen Union. Diese hatte als Mitglied des britischen Empire dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Das Gebiet – ungefähr anderthalbmal so groß wie das deutsche Kaiserreich – wechselte den Besatzer. 1919 übertrug der Friedensvertrag von Versailles die deutsche Siedlungskolonie an die südafrikanische Verwaltung. Erst 1990 erlangte Namibia die Unabhängigkeit. Anlässlich des Jahrestags sind über 150 Vertreter aus Politik und Wissenschaft, Kirchen, Kultur und Verbänden mit dem Appell »Völkermord ist Völkermord!« an die Öffentlichkeit getreten. Unter ihnen befinden sich zahlreiche Wissenschaftler, die ehemalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), der erste Botschafter der DDR in Namibia, Hans-Georg Schleicher, der SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby sowie der Vorsitzende des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, Moctar Kamara. Continue reading

Gedenken mit QR-Code

Vor 100 Jahren verlor das Kaiserreich die Kolonie Deutsch-Südwestafrika, Ort des Herero-Genozids. In Hamburg wird nirgends der Opfer gedacht, obwohl man Grund dazu hätte. Mehr dazu im Artikel von Anke Schwarzer auf Zeit Online vom 8. Juli 2015. Der Hamburger Baakenhafen ist historisches Gelände. Das sollte man nicht glauben, begeht man heute das karge Gewerbegebiet gegenüber der teuren Hafencity. Wohnungen sollen hier jetzt gebaut werden. Anfang des letzten Jahrhunderts aber legten in dem Hafenbecken die Dampfschiffe der Woermann-Linie Richtung Deutsch-Südwestafrika ab. An Bord: Kaiserliche Schutztruppen, die in der Kolonie den Aufstand der Herero und Nama niederschlagen sollten. Es wurde ein Vernichtungskrieg.

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