Gedenken zum Jahrestag der Berliner Afrika-Konferenz

10959552_1580459532194137_260884523838737665_nVor 130 Jahren ging die Kongo- oder Afrika-Konferenz (15.11.1884 -26.02.1885) zu Ende. Der deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck hatte zahlreiche Staatschefs nach Berlin eingeladen – afrikanische Repräsentant_innen waren keine darunter. Auf der Konferenz einigten sich das Deutsche Reich, die USA, das Osmanische Reich und europäische Mächte wie Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Russland, Spanien und Schweden-Norwegen darauf, Afrika – wie einen Kuchen – aufzuteilen.
Aus Anlass des Jahrestages fordern das Komitee für ein afrikanisches Denkmal in Berlin (KADIB), der Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in Deutschland und solidarische Initiativen symbolische und materielle Reparationen für Kolonialismus, Versklavung und rassistische Gewalt. Moctar Kamara, Vorsitzender der Zentralrates der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, kritisiert, dass die Bundesregierung nichts zur kritischen Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus und Rassismus beitrage: “Stattdessen fördert sie – vor allem mit ihrer Leugnung des Genozids an den Herero und Nama und der Kolonialverbrechen in Tansania, Ruanda, Burundi, Togo und Kamerun – die kollektive Verdrängung der Kolonialgeschichte in diesem Land.“
Am 28. Februar 2015 führen die Verbände der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, u.a. unterstützt vom Berliner Landesnetzwerk der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen BER und der Lehrergewerkschaft GEW, in Berlin den 9. Gedenkmarsch für die Opfer von Kolonialismus, Versklavung und rassistischer Gewalt durch. Hauptorganisator ist das Komitee für die Errichtung eines afrikanischen Denkmals in Berlin (KADIB). Das anschließende Forum im Roten Salon der Berliner Volksbühne richtet der Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in Deutschland aus. Continue reading

Advertisements

“Not about us without us!”

FasiaJansenStrBundesweite Selbstorganisationen von Menschen afrikanischer Herkunft und der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial bieten ihre Mitarbeit an Deutschlands erstem stadtweiten Erinnerungskonzept zur Kolonialgeschichte an. Aber Hamburgs Kulturausschuss lehnte ein Gremium zur konzeptionellen und verbindlichen Zusammenarbeit ab. Der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland erklären dazu: „Wir lehnen die Umsetzung eines einseitig erstellten Erinnerungskonzeptes ab. Es ist nicht hinnehmbar, dass weiße Perspektiven auf die geteilte Kolonialgeschichte noch immer privilegiert werden. Den Hamburger Senat und die Bürgerschaft fordern wir dazu auf, eine umfassende und gemeinsame Aufarbeitung des kolonialen Erbes zu ermöglichen.“

Continue reading

Fehlstart

Transparente05

Protest gegen das Schimmelmann-Denkmal 2007 (Foto:HMJokinen)

Mehrere Selbstorganisationen Schwarzer und afrikanischer Menschen sowie postkoloniale Initiativen protestieren in einer Presseerklärung [pdf] gegen ihren Ausschluss bei der Erstellung des Senatskonzepts [pdf] zur Aufarbeitung von Hamburgs „kolonialem Erbe“. Der Hamburger Senat hatte am 8. Juli 2014 in seiner Stellungnahme an die Bürgerschaft ein Erinnerungskonzept mit dem Titel “Neustart in der Erinnerungskultur” vorgestellt. Grundsätzlich begrüßen die Verbände Schwarzer und afrikanischer Menschen in Deutschland sowie Hamburgs postkoloniale Initiativen dieses bundesweit erste Konzept zur Aufarbeitung der kolonialen Stadtgeschichte, das sie selbst initiiert und seit Jahren eingefordert haben. Zugleich kritisieren sie den Ausschluss ihrer Vertreter_innen aus der Entwicklung dieses Konzepts, das entsprechend wenig Raum für die zukünftige Beteiligung der Nachfahren kolonisierter Menschen und kritischer Geschichtsinitiativen zulasse. Continue reading